Gefragte Ausbildung
THEOLOGIE STEHT ZWISCHEN DEN STÜHLEN. ZU WENIG WISSENSCHAFTLICH, MEINEN DIE EINEN. VIEL ZU KRITISCH, DIE ANDEREN.

Eigentlich müsste Theologie anders heißen, so der berühmte Theologe Karl Barth. Nämlich „Theo-Anthropologie“. Aber das ist zu kompliziert, damals wie heute. Trotzdem: Der Theologie geht es um das Verhältnis zwischen Gott und Mensch – und nie nur um Gott allein.

Karl Barths Argument gibt eine erste Antwort auf die Frage, was die Theologie erforscht, ob sie eine Wissenschaft ist und überhaupt an die Hochschule gehört. Und was die Gesellschaft von der Theologie hat, immerhin steht sie ganz am Anfang der fast tausendjährigen Geschichte der Universität. Heute aber muss sie sich rechtfertigen.

Dabei ist sie aus der Hochschule gar nicht wegzudenken, argumentiert der Wissenschaftsrat, das Beratungsgremium der Politik. Denn Religion zählt zu den Größen, die das Leben im Innersten bestimmen. Sie formt die Vorstellung, was den Menschen ausmacht und wie Leben gelingt. Theologie hat es also mit den wichtigsten Fragen zu tun, mit denen sich Menschen beschäftigen. Daher gehört sie mit der Erforschung und Interpretation religiöser Überlieferungen unbedingt an die Universitäten, neben den Natur- und mit den Geisteswissenschaften, darunter die Religionswissenschaft, die die Religion von außen betrachtet.


KONTAKT SUCHEN, STATT SICH ABZUGRENZEN

Und was kann die Gesellschaft von der Theologie erwarten? Theologie erforscht, was man über den Glauben wissen kann. Doch sie begibt sich heute, anders als früher, ins Gespräch mit weiteren Wissenschaften. Sie stellt sich der Kritik, auch wenn sie nicht immer angenehm ist. Und sie setzt sich zwischen die Stühle und wirft selber kritische Blicke auf das, was andere Wissenschaften erarbeiten. Sie hinterfragt deren ausgesprochene und unausgesprochene Voraussetzungen, ihr Menschenbild und ihre Ziele.

„THEOLOGIE IST EIN
STARKES MITTEL
GEGEN FUNDAMENTALISMUS.“
Isolde Schmucker,
Ausbildungsleitung der ELKB

Damit stärkt sie den Zusammenhalt in der Gesellschaft, sagt Isolde Schmucker, Leiterin des Ausbildungsreferats im Münchner Landeskirchenamt: „Sie sucht den Kontakt, statt sich abzugrenzen.“ Außerdem baut die Theologie mit an den Grundlagen der Gesellschaft, ist Isolde Schmucker überzeugt: „Als reflektiertes Reden über Gott erforscht die Theologie auch das Verstehen religiöser Texte. Damit ist sie ein starkes Mittel gegen Fundamentalismus, der nur in der Abgrenzung gedeiht.“


In diese Richtung zielt auch das Konzept der „Öffentlichen Theologie“, das Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm verfolgt. Für ihn muss Theologie „zweisprachig“ reden, sich aus der religiösen Kuschelecke hinaus in den Diskurs mit der Gesellschaft begeben. Das Spektrum dabei ist weit gefasst: Theologie möchte sich zu Wort melden, aber auch zuhören und vor allem nichts von vorneherein besser wissen. „Öffentliche Theologie reagiert auf den zunehmend deutlicher werdenden Orientierungsbedarf der Öffentlichkeit“, sagt Bedford-Strohm. Sie bietet religiös begründete Maßstäbe fürs Leben an – im Dialog.


Daher lernen Theologen heute, sich nicht nur in ihrer Fachsprache zu verständigen. „Man muss auch wissen, was in anderen Disziplinen vor sich geht“, erläutert Thomas Wabel, der in Bamberg lehrt. In der Auseinandersetzung zwischen den Wissenschaften muss sich der Gesprächspartner verstanden fühlen. Theologen können beschreiben, sagt Wabel, „warum die Grundrechte und die Überzeugung von der Unantastbarkeit menschlicher Würde auch religiös sinnvoll sind. Davon profitieren alle Religionen. Und auch die Gesellschaft.“

Bamberg ist eine von sechs Universitäten und Hochschulen in Bayern, die evangelisch-theologische Studien anbieten. In Erlangen, München und Neuendettelsau kann man ein volles Theologiestudium absolvieren, die Voraussetzung für das geistliche Amt. Das ist in Bayern begehrter als anderswo. In Isolde Schmuckers Referat wird eine „Anwärterliste“ geführt: 400 Namen, so viel wie sonst nirgends in den 20 evangelischen Landeskirchen. Deutschlandweit stehen knapp 2.500 Studierende auf solchen Listen, darunter 60 Prozent Frauen. Die Theologie wird weiblicher.

Christian Eyselein beteiligt sich an der Kirchlichen Studienbegleitung, die den Kontakt zu den angehenden Theologen auf der Liste pflegt. Und er ist verantwortlich für einen zweiten Weg ins Pfarramt: In Neuendettelsau, wo er Praktische Theologie lehrt, können Menschen, die im Beruf gestanden haben, umsatteln und Theologie studieren – auch dann, wenn sie kein Abitur haben. Warum machen Menschen das, was bekommen sie im Studium? Mit der Theologie, sagt Eyselein, „wird der Glaube reflektiert. Die individuelle Frömmigkeit bekommt einen Zusammenhang, der die Zeit übergreift.“

FÜR GLEICHHEIT UND DEN SCHUTZ 
DER SCHWACHEN

Welchen Beitrag kann sie leisten? Christian Albrecht sieht das nüchtern: „Die funktionale Aufgabe der Theologie liegt erst einmal darin, Menschen fürs Pfarramt oder für den Religionsunterricht auszubilden.“ Doch prägt die Theologie auch die Grundüberzeugungen in der Gesellschaft. Die Bedeutung dieser Aufgabe nimmt zu, sagt Albrecht, der in München als Dekan der Theologischen Fakultät amtiert. Die freiheitliche Gesellschaft entdecke, dass sie ihre Grundlagen ausdrücklich definieren müsse, da sie heute von manchen infrage gestellt würden.

„Diese Grundüberzeugungen“, sagt Albrecht, „zum Beispiel die Gleichheit aller Menschen oder der Schutz der Schwachen, sind vom Christentum geprägt. Es spricht viel für die Annahme, dass sie auch über christliche Traditionen gesellschaftlich präsent gehalten werden. Daran mitzuwirken, ist eine wesentliche Aufgabe von Theologinnen und Theologen, die im Pfarramt und im Religionsunterricht tätig sind.“

IN BAYERN BIETEN SIEBEN UNIVERSITÄTEN UND HOCHSCHULEN EIN THEOLOGIESTUDIUM AN


Universität Augsburg
www.uni-augsburg.de

Otto-Friedrich-Universität Bamberg
www.uni-bamberg.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
www.fau.de

Ludwig-Maximilians-Universität München
www.uni-muenchen.de

Augustana-Hochschule Neuendettelsau
www.augustana.de

Universität Regensburg
www.uni-regensburg.de

Julius-Maximilians-Universität Würzburg
www.uni-wuerzburg.de

Ein kirchlicher Abschluss ist in Erlangen, München und Neuendettelsau möglich.


ANMELDUNG UND BERATUNG FÜR DAS BERUFSZIEL PFARRERIN/PFARRER

Isolde Schmucker, Referat Ausbildung und 
Personalentwicklung der ELKB

Katharina-von-Bora-Straße 7-13
80333 München
Tel.: 0 89/55 95-232
isolde.schmucker@elkb.de

Unterstützung erhalten Studierende der Theologie auch von der KSB in Neuendettelsau.

Kirchliche Studienbegleitung
Johann-Flierl-Straße 20
91564 Neuendettelsau
Tel.: 0 98 74/92 200
sekretariat@studienbegleitung-elkb.de