Textilschmuck in Kirchen und an liturgischen Gewändern fristet in vielen evangelischen Kirchengemeinden ein Schattendasein – dabei haben Paramente auch dort eine lange Tradition.
Beate Baberske holt tief Luft. „Paramente haben in vielen evangelischen Gemeinden keinen so guten Ruf“, sagt die Textilkünstlerin. Das liege vor allem an der „Katalog- und Stangenware“, die vielerorts hänge, meint die künstlerische Leiterin der Paramentik der Diakonie Neuendettelsau, die es seit mittlerweile 160 Jahren gibt. Oft hätten die Kirchenvorstände oder Pfarrer künstlerisch eher zweifelhafte Pultbehänge mit immer gleichen Motiven vor Augen, wenn das Thema Paramente zur Sprache komme. Doch dem theologischen Anspruch, der Bedeutung und dem Potential von textiler Kunst in der Kirche werde das nicht gerecht, sagt Baberske: „Über gute Paramente muss man nicht reden. Sie wirken einfach auf die Besucher.“
Die Neuendettelsauer Paramentik ist heute die älteste noch bestehende evangelische Paramentenwerkstatt weltweit – und die einzige in Bayern. Derzeit stellen vier Mitarbeiterinnen Textilkunst für Kirchenräume und Gewänder her. Nach wie vor mit hohem künstlerischem Anspruch, wie er schon vor 160 Jahren galt – doch immer wieder zeitgemäß interpretiert.